Schulchronik

Zur Geschichte des Krupp-Gymnasiums existiert eine Schulchronik aus dem Jahr 1988 von Johann Düren.

Die Chronik wurde von Peter Jöckel 2011 ergänzt.

Demnächst findet eine Überarbeitung unter Einbeziehung von Schülerprojekten statt.

 

Johann Düren:

Zur Geschichte des Städtischen Krupp-Gymnasiums Duisburg-Rheinhausen (1988)

 

Unsere Schulgeschichte ist noch relativ jung, sie ist das Ergebnis der lokalen industriellen Entwicklung und in den letzten Jahrzehnten das Ergebnis der großen gesellschaftlichen Umschichtung, die auch bis dahin benachteiligten sozialen Schichten den Weg zu einer besonderen Schulbildung öffnete.

Die 1896 erfolgte Gründung des Hüttenwerkes beeinflusste das kommunale Geschehen in hohem Maße. „Rheinhausen“ war als politische Gemeinde noch nicht existent. Es bestanden noch viele selbstständige Gemeinden (Hochemmerich, Friemersheim, Bergheim, Oestrum, Bliersheim), die noch sehr um ihre Selbstständigkeit bemüht waren. Die daraus entstehenden Probleme versuchten die Gemeinden zu lösen, waren jedoch zu einer Einrichtung und Unterhaltung eigener höherer Schulen noch nicht fähig. Lediglich Hochemmerich hatte es einer Privatinitiative der evangelischen Kirchengemeinde zu verdanken, dass dort 1904 eine private Töchterschule gegründet wurde, allerdings in sehr bescheidenem Rahmen. Nur relativ begüterte und nur evangelische Eltern konnten ihre Töchter hier unterrichten lassen. 1904-1911 wurden nur 40-45 Schülerinnen aufgenommen, die von 2-3 Lehrkräften, einschließlich des Gemeindepfarrers, unterrichtet wurden. Mit dem Anwachsen der Gemeinden um das 5fache (von 1895 = 5221 Einwohner auf 1913 = 25850 Einwohner), bedingt durch die Zuwanderung aufgrund der wirtschaftlichen Prosperität des Hüttenwerkes in der Vorkriegszeit, hielten es die Gemeinderäte für notwendig, sich auch der Fortentwicklung des Schulwesens über die Volksschule hinaus zuzuwenden, um der begabten Jugend einen erfolgreichen Einstieg in die gehobeneren Positionen des modernen, industriellen Berufslebens zu ermöglichen. Zu diesem Zweck entstand zum 1. April 1913 der „Zweckverband Hochemmerich-Friemersheim zur Errichtung und Unterhaltung einer paritätischen Mittelschule für Knaben und Mädchen“. Zum Gelingen dieses Projekts trug bei die großzügige Beteiligung der Fr.-Alfred-Hütte. Ein Drittel der Unterhaltungskosten trug Krupp. Ohne diesen Beitrag wäre das Zustandekommen der Schule fraglich gewesen. Die Gemeinden konnten ihren Kostenanteil im wesentlichen aus dem Schulgeld abdecken.

Von vornherein bestand die Absicht, diese Mittelschule zu gegebener Zeit zu einer neunstufigen höheren Lehranstalt auszubauen.

Mit der Durchführung der notwendigen Vorarbeiten wurde der 1.Leiter der neugegründeten Schule, Oberlehrer Schorre, betraut, der mit dem Aufbau eines entsprechenden Lehrerkollegiums begann. Er beantragte zwei neue Planstellen, die mit den „Wissenschaftlichen Lehrern“ Dr. Langenbach und Dr. Zirwas besetzt wurden. Diese Entwicklung wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges und durch den frühen Soldatentod Schorres (9. Mai 1915) nur unwesentlich verzögert.

Als man 1915 die Mittelschule in eine Realschule umwandeln wollte, wurde durch das Provinzialschulkollegium in einer Prüfung festgestellt, dass Unter- und Obertertia das Klassenzieleiner Realschule nicht erreicht hätten. Erst nach Auflösung dieser beiden Klassen genehmigte das Provinzialschulkollegium die Umwandlung der Klassen VI-IV in eine Realschule. Diese neue Schule hieß jetzt „Realschule des Zweckverbandes Hochemmerich-Friemersheim i.E.“ Gleichzeitig wurde für die Mädchen der Mittelschule mit Genehmigung der Regierung in Düsseldorf eine „Höhere Mädchenschule“ gegründet. Mit dem Schuljahr 1916/17 nahmen beide Schulen in dem neuen Gebäude am Körnerplatz die Arbeit auf. Zu Ostern 1919 legten 13 Untersekundaner die erste Prüfung der „Mittleren Reife“ ab, womit die endgültige Anerkennung der Schule als Realschule verbunden war.

Nach dem Kriege wurde der Plan, die Anstalt in eine neunstufige höhere Schule mit Abiturberechtigung auszubauen, weiter verfolgt. Weil das höhere Schulwesen dieser Zeit noch in verschiedene Typen gegliedert war, stellte sich die Frage, ob man sich für die Oberrealschule (ohne Latein mit besonderer Betonung der naturwissenschaftlichen Fächer) oder für das Realgymnasium (mit Latein und dem Vorrang der neueren Sprachen) entscheiden sollte. Nach einigen Auseinandersetzungen über diese Frage beschloss der Schulausschuss der inzwischen gegründeten Gemeinde Rheinhausen (1923 „Landgemeinde“ Rheinhausen, 1934″Stadt“ Rheinhausen) am 30. September 1924 den Ausbau der Realschule zu einer Oberrealschule. Die endgültige Anerkennung als ORS erfolgte durch die erste Abiturprüfung im Jahre 1928, die 14 Oberprimaner ablegten. Im gleichen Jahre erreichte auch die Mädchenschule ihre Anerkennung als Lyzeum und erhielt als ersten Direktor Dr. Schöne. Als eigenes Schulgebäude wurde dem Lyzeum das alte Domizil am Körnerplatz zugewiesen, während die Oberrealschule am 8. Januar 1929 das neue Gebäude an der Schwarzenberger Straße bezog.

Hatte schon seit 1925 die Schülerzahl an beiden Schulen merklich abgenommen (geburtenschwache Jahrgänge im 1. Weltkrieg), so verschärfte sich diese Tendenz durch die große Wirtschaftskrise, die eine Industriestadt wie Rheinhausen besonders hart treffen musste. Arbeitslosigkeit und Einkommensverfall ließen vielen Familien das Aufbringen des Schulgeldes (RM 240,- jährlich) zur Unmöglichkeit werden. Manche Erfolg versprechende Schullaufbahn musste vorzeitig abgebrochen werden. Im Jahre 1931 besuchten nur noch 143 Schülerinnen das Lyzeum, ca. 250 Schüler die Oberrealschule. Zu Ostern 1932 wurden nur noch 48 Schülerinnen und Schüler in die Sexten beider Schulen aufgenommen. In allen Institutionen der öffentlichen Hand wurden Überlegungen angestellt, auf welche Weise notwendige Sparmaßnahmen wirkungsvoll durchgeführt werden konnten. Davon blieben auch die höheren Schulen in Rheinhausen nicht ausgenommen. Nach den Sommerferien 1931 musste das an Schülerzahl stark geschrumpfte Lyzeum in das Gebäude der Oberrealschule einziehen. Nach dieser äußeren Vereinigung beider Schulen war es nur noch eine Frage der Zeit bis zum organisatorischen Zusammenschluss, der dem Fiskus 6 Planstellen einzusparen half. Im Juni 1932 wurde die entsprechende Genehmigung erteilt. Dr. Schöne, der Direktor des bisherigen Lyzeums, wurde nach Viersen versetzt, Direktor Arthur Schneller von der ORS übernahm die Leitung der vereinigten Anstalten. Die Mädchen wurden in Unter- und Mittelstufe nach eigenem Lehrplan getrennt von den Jungen unterrichtet. Nur in der Oberstufe mussten die Mädchen, die das Abitur anstrebten, nach dem Lehrplan der Jungen unterrichtet werden.

Während dieser mühsamen Umorganisation des Schulbetriebes wurde Hitler von Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt. Hatten bis dahin die staatlichen Behörden nur das Notwendigste zum geregelten Ablauf des Schulbetriebes angeordnet und den verantwortlichen Schulleitern weitgehend freie Hand in der Gestaltung der Schulgemeinde gelassen, so änderte sich das in den kommenden Jahren sehr gründlich. „Gleichschaltung“ hieß die Parole, eine nebulöse „Volksgemeinschaft“ war das Ziel, dem sich alles politische und gesellschaftliche Leben unterzuordnen hatte. Dies wurde schon bald auch unserer Schulgemeinde drastisch vor Augen geführt. Am 1. Mai 1933, dem „Tag der nationalen Arbeit“, einem von Goebbels inszenierten Propagandaspektakel, mussten alle Berufstätigen sich einem großen Festzug anschließen. Auch die Lehrer unserer Schule marschierten mit. Die Schüler durften an der Moerser Straße „Spalier“ bilden.
In den folgenden Jahren wurde den Schulen die Pflicht auferlegt, „die deutsche Jugend zu voll bewussten Gliedern des Nationalsozialistischen Staates zu erziehen“ (Anordnung des KM vom 26. August 1933). Die Organisation der Schulgemeinden wird auf das „artgemäße“ Führerprinzip ausgerichtet, Lehrpläne und -inhalte werden der NS-„Weltanschauung“ angepasst. Als besonders wichtig gelten die „deutschkundlichen“ Fächer Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Biologie, und entsprechend wurde auf sie Einfluss genommen. Bei der Abiturprüfung 1934 an unserer Schule mussten alle Oberprimaner im Fach Biologie geprüft werden, wobei nur Fragen über den Bereich „Vererbungslehre und Rassenkunde“ gestellt wurden, um das NS-„Bewusstsein“ der jungen Menschen zu beeinflussen. Von Dezember 1936 an musste jeder Junge und jedes Mädchen der HJ bzw. dem BDM angehören. Beide Organisationen waren als einzige Jugendverbände zugelassen. In ihren Verpflichtungen gegenüberHJ bzw. BDM durften die Jugendlichen durch den Schulbetrieb nicht behindert werden. Wer mit diesen Praktiken nicht einverstanden war, wurde gemaßregelt. So auch Direktor Schneller, der kein „Nationalsozialist“ war und deshalb nach Traben-Trabach zwangsversetzt wurde. Nachfolger wurde sein langjähriger Freund Dr. Ewald, der unter größten Schwierigkeiten versuchte, die Schule in Schnellers Geist weiterzuführen. Am 9. Januar 1937 wurde durch Erlass des Oberpräsidenten, Abteilung für höhere Schulen, unsere Oberrealschule in eine achtstufige „Deutsche Oberschule“ umgewandelt. Unter- und Obersekunda wurden zu einer Klasse zusammengezogen, der Unterrichtsplan vor allem im fremdsprachlichen Bereich neu geordnet: Englisch ab Sexta als 1., Latein ab Quarta als 2. Fremdsprache. Ab Ostern 1938 konnten auch die Mädchen nach 8jährigem Schulbesuch das Abitur erlangen, bekamen das Reifezeugnis aber erst nach Ableistung eines hauswirtschaftlichen Pflichtjahres ausgehändigt.
War seit 1925 die Schülerzahl kontinuierlich abgesunken, so stellt das Jahr 1937 in dieser Hinsicht den Wendepunkt dar. Vom Schuljahr 1937/38 an werden die Mädchen wieder überwiegend in eigenen Klassen nach dem Plan für die Mädchen-Oberschulen unterrichtet, grundlegende Voraussetzung für eine angestrebte Trennung der 1932 zusammengelegten Schulen. Belastungen und Einschränkungen großen Ausmaßes in das Leben der Schule brachte der 2. Weltkrieg. Schon 1939 wurden fünf Lehrer eingezogen. Überstunden für die verbliebenen Kollegen und einige Stundenkürzungen waren die Folge.
Ab 1940 wurde das Kriegsabitur erteilt, d.h., man erhielt das Reifezeugnis ohne Prüfung wegen Einberufung zur Wehrmacht. Ab Februar 1943 wurden die Schüler der damaligen Klassen VI und VII (heute Jahrgangsstufe 11 und 12) als Luftwaffenhelfer zur Flak eingezogen und in der näheren Umgebung Rheinhausens stationiert. Wenn auch für die Vormittagsstunden eine Weiterführung des Unterrichts vorgesehen war, so nahmen die militärischen Verpflichtungen der Jungen einen solchen Raum ein, dass Übermüdung und damit Lustlosigkeit am Schulbetrieb die Folge sein musste. Besonders als die Fliegerangriffe bei Tage zunahmen, war es mit einem geregelten Unterricht vorbei. Im Schulgebäude spielte sich der Unterricht für die unteren Klassen oft bei spärlicher Beleuchtung im Luftschutzkeller ab, mit entsprechendem Erfolg. Ab Februar 1944 wurde den Oberstufenschülern dann fast regelmäßig nur der „Reifevermerk“ erteilt, um anschließend zum Arbeitsdienst oder zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Wer den Krieg überlebte, musste dann erfahren, dass sein „Reifevermerk“ nicht anerkannt wurde und er nach Kriegsschluss die Reifeprüfung unter oft erbärmlichen Umständen nachholen musste.

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches war seit Herbst 1945 der Unterricht wieder in Gang gekommen, doch musste wegen des geringen Leistungsstandes der Schüler eine Neugliederung der Klassen nach Leistung der Schüler vorgenommen werden. Nur bei befriedigenden oder guten Leistungen könne der Schüler in die nächsthöhere Klasse übernommen werden, so teilte der Direktor den Eltern mit.

Mit der Entstehung des Landes Nordrhein-Westfalen wurde auch das Schulwesen neu geordnet. Unsere Schule erhielt den Status eines „Naturwissenschaftlichen Gymnasiums“.

Weil mit den 50er Jahren die Schülerzahlen wieder stärker anstiegen (Ostern 1953 = 762 Schüler) und das Gebäude an der Schwarzenberger Straße sich bald als zu klein erwies, wurde am 2. November 1954 mit einem Anbau begonnen, der am 7. September 1955 bezogen werden konnte. Da auch die Zahl der Schülerinnen stark angewachsen war, entschloss man sich, die Mädchenschule wieder zu verselbständigen und zum „Neusprachlichen Gymnasium“ auszubauen. Am 29. April 1955 lag die Genehmigung vor, und bis Oktober 1957 wurde die Trennung der Schulen mit jeweils eigenen Lehrerkollegien durchgeführt. Ein eigenes Gebäude besaß die Mädchenschule damit noch lange nicht, und das Problem der Raumnot wurde immer brennender.

Durch Auslagerungen einzelner Klassen in andere Schulen (Pestalozzischule, Berufsschule, Realschule und Behelfsbauten an der Sportwiese und an der Arndtstraße) suchte man seiner Herr zuwerden, was aber alles andere als eine tragbare Lösung darstellte. Der Notwendigkeit eines geräumigen Neubaus trug der Beschluss des Stadtrates vom 28. Juni 1961 Rechnung. Am 26. Mai 1965 konnte man am Flutweg Richtfest feiern, während das Neusprachliche Gymnasium noch bis September 1969 auf den Baubeginn für ein eigenes neues Gebäude warten musste. Im April 1966 zog man in die neue Schule um, die offizielle Übernahme erfolgte am 22. Juli 1967. Doch erwies sich der stolze Neubau bald als wieder zu klein. Der wachsende all unabhängiger Schüler und Studenten“, ein Ableger des SDS) brachten vor allem den Oberstufenschülern Vorstellungen einer „demokratisierten“ Schule nahe. Am 16. Oktober 1968 legte ein Erlass des KM die Rechte und Pflichten der SMV fest. Die SMV unserer Schule gab sich daraufhin in Anlehnung an den Erlass eine „Satzung“, die Mitte 1969 von einigen besonders rührigen Schülern zu einer Art „Rätesystem“ abgeändert werden sollte, was aber von der Mehrheit der Schüler nicht mitgetragen wurde. Ansonsten aber beschränkten sich die „systemändernden“ Aktivitäten auf einige wenige Fälle von Verweigerungen bei anstehenden Klassenarbeiten und „Abwahl eines Lehrers“ sowie Einschränkungen der Entlassungsfeierlichkeiten von Abiturienten, was sich aber nach einigen Jahren wieder einrenkte.

Mit Ende des Schuljahres 1971/72 trat OSTD Dr. H. Barten, der unsere Schule seit 1954 umsichtig und klug durch alle Wirrnisse und Fährnisse dieser 18 Jahre geführt hatte, in den Ruhestand.

Nachfolger wurde sein Stellvertreter, StD F. Trüpel.

Mit dem Schuljahr 1972/73 erfolgte an unserer Schule die landesweite Einführung des Kurssystems für die Oberstufe lt. KMK-Beschluss. Dies bedeutete eine Enttypisierung unserer Anstalt als mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium. Die Klassenverbände der Oberstufe wurden in Kurse aufgelöst, diese aufgeteilt in Pflicht- und Wahlbereiche. Innerhalb dieser Bereiche wird nach Grund- und Leistungskursen unterschieden, die von den Schülern ausgewählt werden, sofern für einen einzelnen Kurs die vorgeschriebene Mindestzahl erreicht wird […].

Im Zuge der Enttypisierung der Gymnasien war auch der bisherige Name unserer Schule, „Städtisches mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium“, sinnlos geworden. Nach lebhaften Diskussionen – auch im Kollegium – wurde unsere Anstalt in „Städtisches Krupp-Gymnasium“ umbenannt.

Durch das neue Schulmitwirkungsgesetz des Landes NRW wurde auch die Schulverfassung geändert, indem die bisher der Lehrerkonferenz zustehenden Entscheidungsbefugnisse auf die Schulkonferenz übertragen wurden, die sich aus Vertretern des Lehrerkollegiums (12), der Elternschaft (6) und der Schüler (6) zusammensetzt. […]

Mit dem Schuljahr 1981/82 wurde die Heinrich-Heine-Gesamtschule eingerichtet, so dass für den Rheinhauser Bereich in Zukunft unsere Schule als Gymnasium alleine erhalten bleibt. In den kommenden Jahren werden wir durch unsere Arbeit den Beweis zu erbringen haben, dass das Gymnasium mit seinen Zielsetzungen noch keineswegs überholt ist. Als Ansporn dazu mögen die nicht wenigen Bekundungen ehemaliger Schüler, die studieren oder ihr Studium bereits abgeschlossen haben, dienen, dass die Anregungen und Lerninhalte, die unsere Schule vermittelte, ihnen im Studium durchaus nützlich sind oder gewesen sind. So bleibt nur zu hoffen, dass der Schule gelingt, was Dr. Barten bei seinem Abschied ihr als Wunsch für die Zukunft mitgab:

„Machen Sie aus der Turbulenz der vielen Ideen der Theoretiker, die vom Schulalltag genügend Abstand haben, um die Realitäten zu übersehen, das Bestmögliche zum Nutzen kommender Generationen“.

Die Zukunft unserer Schule wird aber auch abhängen von der wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung Rheinhausens.[…]

(Aus: Verein der Freunde der Städtischen Gymnasien Rheinhausens e.V. (Hrsg.): Unsere Schulgemeinde – 60 Jahre Verein der Freunde. Sonderausgabe. Duisburg 1988. S. 6-9)
 
 
 
Peter Jöckel:Fortsetzung (2011)

 1989 wurde Joachim Lotze Schulleiter des Krupp-Gymnasiums.

Herr Joachim Lotze hatte an der Schule von 1970 bis 1986 als Mathematik- und Physiklehrer gearbeitet und war anschließend als Studiendirektor zum Albert-Einstein-Gymnasium gewechselt. Herr Lotze hatte die Bezirksregierung Düsseldorf als Fachberater und Mitarbeiter beim Abitur unterstützt. Er übernahm die Schulleitung zunächst am 1.2.1989 kommissarisch und vom 1. Mai an als Oberstudiendirektor. In der Folgezeit wurde regelmäßig ein rascher Wandel in den naturwissenschaftlichen Räumen festgestellt. Die Unterrichtsräume, die für einen vorlesungsartigen Betrieb geeignet waren, traten mehr und mehr in den Hintergrund. Wichtiger wurden die Übungsräume, die Schränke füllten sich mit Demonstrationsmaterialien. Das Schülerexperiment im naturwissenschaftlichen Unterricht trat in den Vordergrund und hat seither einen hohen Stellenwert am Krupp-Gymnasium.

Im August 1989 trat der stellvertretende Schulleiter Günter Meskendahl in den Ruhestand. Ihm folgte 1990 Martin Klein im Amte nach.

Im Sommer 1990 wurde das Heinrich-Heine-Gymnasium mit dem Abitur der Jahrgangsstufe 13 geschlossen. Die Schule war in die Heinrich-Heine-Gesamtschule übergegangen.

In der gymnasialen Oberstufe wurde vom Schuljahr 1989/90 an die Oberstufenreform von 1972 reformiert. Ehemals sehr breite Wahlmöglichkeiten wurden eingeschränkt.

Vielfache Versuche der Schule zum Aufbau von Schulpartnerschaften mit Schulen im Ausland hatten 1991 Erfolg. Zwar gelang es nicht, eine Schulpartnerschaft mit der Spennymoor Comprehensive School über erste Gespräche hinaus zu bringen, zum ersten Mal aber fand ein Austausch mit dem Lycée Colbert in der französischen Stadt Tourcoing statt. Madame Bonte kam zusammen mit Madame Bossuyt zum ersten Mal nach Rheinhausen, im Oktober reisten die Austauschschülerinnen und –schüler des Krupp-Gymnasiums nach Tourcoing, im November erfolgte der Gegenbesuch der französischen Schülergruppe. Der Austausch mit dem Lycée Colbert findet seitdem in jedem Jahr statt.

In der 3. und 4. Januarwoche des Jahres 1991 fand zum ersten Mal ein Schülerbetriebspraktikum im Krupp-Gymnasium statt. Das Praktikum wurde sehr gründlich vor- und nachbereitet und fand in der Jahrgangsstufe 11 (dem ersten Jahr der gymnasialen Oberstufe) statt.

1992 gelangten die sportlichen Aktivitäten des Krupp-Gymnasiums zu einem Höhepunkt. Das Krupp-Gymnasium wurde zweimal Deutscher Meister im Handball.

1993 trat Frau Gisela Bierfreund (später Sassmannshausen) die stellvertretende Schulleitung am Krupp-Gymnasium an.

Die bauliche Erweiterung der Schule wurde durch Errichtung von Pavillons in Angriff genommen.

Als Erbe des ehemaligen Hüttenwerks in Rheinhausen übernahm die Schule in diesem Jahr eine Ausstellung von Erzen und Hochofenhilfsstoffen, die im Treppenhaus des Haupteingangs seither in Vitrinen ihren Platz hat.

1995 fand im Krupp-Gymnasium die erste Wahlparty zur Landtagswahl 1995 statt. Eine AG Wahlen bereitete die Veranstaltung mit großem Aufwand vor, Hochrechnungen wurden vom Informatik-Bereich erstellt, das Gymnasium verwandelte sich in ein Wahlstudio.

Die ersten Projekttage des Krupp-Gymnasiums fanden im Juni 1997 statt. Angeregt durch die Schulprogrammarbeit seit 1995 entschloss sich die Schule, an vier Tagen verschiedenste Themen projektartig zu bearbeiten und anschließend der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Am 1.2.1998 verließ Frau Saßmannshausen das Krupp-Gymnasium, um das Gymnasium in Kaarst zu leiten. Im Sommer 1999 folgte Frau Gisela Großterlinden ihr im Amte nach. Sie war von 1973 an am Albert-Einstein-Gymnasium tätig gewesen.

Zur Jahrtausendwende, genauer am 27.9.2000, beschloss die Schulkonferenz des Krupp-Gymnasiums, an das Ministerium für Schule und Weiterbildung den Antrag zu stellen, vom Schuljahr 2001/02 an einen bilingualen Zweig einrichten zu dürfen. Partnersprache ist Englisch. Den Bedingungen der Bilingualität entsprechend wird in den Klassen 5 und 6 verstärkter Englischunterricht erteilt. Ab Klasse 7 findet der Unterricht in Sachfächern (Erdkunde, Politik und Geschichte) in englischer Sprache statt. In der gymnasialen Oberstufe wird neben einem Englisch-Leistungskurs ebenfalls mindestens eines dieser Sachfächer in englischer Sprache bearbeitet. Der bilinguale Zweig schließt mit dem bilingualen Abitur ab, einem Vermerk auf dem Abiturzeugnis über die besondere Laufbahn, der die Aufnahme auf  englischsprachige Universitäten erleichtert. Dem Antrag der Schulkonferenz wurde entsprochen. 2001 wurde der bilinguale Zweig eröffnet.

Die Renovierung der naturwissenschaftlichen Räume brachte frischen Wind in die Schule, der auch andere Beteiligte zu Renovierungsmaßnahmen ermutigte.

Vom Jahr 2001 an widmete sich die Schule besonders der Begabtenförderung. Durch die Einrichtung eines Selbstlernzentrums und die Ermöglichung des „Springens“ in höhere Jahrgangsstufen sowie des Ausprobierens erweiterter Möglichkeiten zeigte die Schule diesem Teil der Schülerschaft besondere Wege auf.

Die Fachschaft Kunst erschloss sich eine neue Tradition durch die Etablierung von regelmäßigen Ausstellungen in der Stadtbibliothek Rheinhausen.

Die Erweiterung des Krupp-Gymnasiums um Räume würd die Oberstufe hatte eine lange und wechselvolle Geschichte. 1988 wurde ein erster Pavillon mit 4 Unterrichtsräumen auf dem Schulgelände aufgestellt. 1993 folgte ein zweiter mit weiteren 4 Unterrichtsräumen. Die Pavillons waren aus verschiedenen Gründen wenig beliebt, und endlich im Jahr 2002 erwiesen sich alle Pavillons als derartig marode, dass über einen Ersatz befunden werden musste, sollte das Krupp-Gymnasium nicht ohne alle Unterrichtsräume für die gymnasiale Oberstufe dastehen. Beschlossen wurde – nicht zuletzt aus Kostengründen – ein Neubau mit 10 Unterrichtsräumen, der neue Oberstufentrakt. Der Bau erfolgte 2003/2004. Zu allem Überfluss wurden kurz vor Fertigstellung der neue Trakt und Teile des Klassentraktes mit Asbest verseucht. Die notwendige Dekontaminierung verzögerte nicht nur die Fertigstellung des Neubaus, sondern führte auch zu Schichtbetrieb des Unterrichts. Ende 2004 konnte das Projekt dann aber doch abgeschlossen werden.

Die Schule verfügte nun bei einer stabilen Vierzügigkeit über hinreichend Klassenräume sowie über weitere Möglichkeiten, u.a. eine Schülerbibliothek im Neubau, die unter maßgeblicher Beteiligung der Schülerinnen und Schüler verwaltet wurde. Ein Oberstufenraum wurde zum Sprachenraum ausgebaut.

2006 entstand auch in den Naturwissenschaften ein neuer Medienraum, der eine stärkere Einbeziehung der Neuen Medien  in den naturwissenschaftlichen Unterricht ermöglichte.

2007 übernahm Peter Jöckel die Schulleitung zunächst noch als Studiendirektor, ein knappes Jahr später wurde er Oberstudiendirektor. Peter Jöckel hatte als stellvertretender Schulleiter zuvor am Max-Planck-Gymnasium in Meiderich gearbeitet. Seine Unterrichtsfächer sind Deutsch und Sozialwissenschaften, die er in Bochum und Gießen studierte. Als gebürtiger Gelsenkirchener hatte er lange in Bottrop und Gelsenkirchen an Schulen gearbeitet. Über 10 Jahre war er als Personalratsmitglied im Regierungsbezirk Münster tätig gewesen. Er hatte am Abitur im Fach Sozialwissenschaften, in der Lehrerfortbildung sowie an Projekten beim Landesinstitut für Schule in Soest mitgearbeitet. Er ist Autor mehrerer Schulbücher und Kompendien für das Fach Sozialwissenschaften.

Die Schule erweiterte in den Folgejahren ihre Möglichkeiten. Eingeführt wurde das Fach Praktische Philosophie in der Sekundarstufe I, das parallel zum christlichen Religionsunterricht die ethische Erziehung nichtchristlicher Schülerinnen und Schüler gewährleisten sollte. Zunächst wurden nur die Abschlussklassen, später alle Klassenstufen der Sekundarstufe I einbezogen. Beginnend mit dem Schuljahr 2008/09 bot die Schule als neueinsetzende Fremdsprache in der gymnasialen Oberstufe das Fach Italienisch an. Durch Kooperation mit dem Steinbart-Gymnasium wurde es den Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe ermöglicht, auch das Fach Japanisch zu belegen. In Kooperation mit den benachbarten Oberstufen (insbesondere der Lise-Meitner- und der Heinrich-Heine-Gesamtschule) wurde sichergestellt, dass Leistungskurse in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie und Physik verlässlich in Rheinhausen belegt werden können.

Zunehmend wurden in dieser Zeit die Schulen zu mehr Selbstständigkeit aufgefordert. Diese erstreckte sich auf die Dienstvorgesetzteneigenschaft des Schulleiters, auf die Unterrichtsorganisation sowie auf die Organisation der durch die Schulzeitverkürzung nötigen Übermittagsbetreuung. Die Schulkonferenz entschloss sich, dem Schulleiter die Dienstvorgesetzteneigenschaft anzuvertrauen. Der Lehrerrat erhielt als notwendiges Pendant eine erweiterte Rolle und wurde auf vier Jahre gewählt. Die Schule passte die Stundentafel an die Erfordernisse der Schulzeitverkürzung an, die im Schuljahr 2008/09 am Krupp-Gymnasium in Klasse 8 angekommen war und die Stundenzahl massiv über den Vormittagsbereich hinaus erhöhte. Die Übermittagsbetreuung wurde in Kooperation mit einschlägigen Vereinen organisiert, zunächst mit DUBAS, dann mit der KURBEL, schließlich mit GENIALIS, einem an der Schule gegründeten Verein. Zu einer mittäglichen Betreuung aller Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I fehlten aber weitgehend die räumlichen Möglichkeiten. Zwar hatte die Landesregierung ein „1000-Schulen-Programm“ aufgelegt, das den Schulen einen Mensa-Bereich bescheren sollte, dieses wurde aber nur schleppend umgesetzt. Am Krupp-Gymnasium wurde der Cafeteria-Bereich schließlich 2011 von 30 auf ca. 100 Plätze ausgebaut.

Vom Schuljahr 2009/10 an führte die Schule eine Streicherklasse. Mit Unterstützung des Freundevereins wurden Streichinstrumente angeschafft und an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen, die während der Erprobungsstufe in Kooperation mit der Niederrheinischen Musikschule ihr Instrument erlernten. Eine Verstärkung des Schulorchesters wurde dadurch erreicht.

Einer größeren Selbstständigkeit auf der einen Seite entsprach eine wachsende Bedeutung der Evaluation schulischer Ergebnisse auf der anderen. Zwar entfielen mit dem Eintritt der Schulzeitverkürzung in die Oberstufe mit einem „Doppeljahrgang“ im Schuljahr 2010/11 die ungeliebten Zentralen Prüfungen am Ende der Klasse 10, den Lernstandserhebungen Mitte der Klasse 8, dem Zentralabitur und Vergleichsarbeiten kam aber eine größere Bedeutung zu. Die Schule entschloss sich darüber hinaus die Ergebnisse ihrer Arbeit mit dem Instrument SEIS der Bertelsmann-Stiftung zu evaluieren. Die erste Befragung im Jahre 2008 in den 8. und 10. Klassen zeigte neben vielen Stärken auch einige Schwachstellen auf, die anschließend in Arbeitsgruppen unter Beteiligung von Schülerinnen und Schülern und besonders Eltern bearbeitet wurden. 2011 fand turnusgemäß die Anschlussbefragung statt, um den Erfolg der Maßnahmen zu ermitteln.

Anfang 2011 wurde das Krupp-Gymnasium der Qualitätsanalyse des Landes unterzogen. Die Schule legte ein umfangreiches Schulportfolio vor, es fanden ein Schulrundgang, ca. 40 Unterrichtsbesuche sowie umfangreiche Befragungen aller am Schulleben Beteiligten statt. Im Ergebnis wurde in die Schule in 8 von 25 Bereichen als vorbildlich beurteilt, 2 Bereiche wurden als noch entwicklungsbedürftig eingeschätzt. Die Schule nahm die Rückmeldung als Wertschätzung für ihre Arbeit und als Impuls für die weitere Schulentwicklung auf.

2010 erhielt die Schule das Zertifikat Europaschule und das Recht, dies mit ihrem Schulnamen zu verbinden. Die Voraussetzungen erfüllt die Schule einerseits durch ihre Bilingualität, ein erweitertes Sprachenangebot und die Behandlung des europäischen Gedankens im Unterricht und im Schulleben. 2010 erhielten die ersten 39 Schülerinnen und  Schüler ein bilinguales Abitur, davon 4 Schülerinnen zusätzlich mit dem Zertifikat CertiLingua, das die Schule vergeben darf und ihnen besondere Qualifikationen im sprachlichen Bereich sowie bei der Kommunikation über europäische Themen bescheinigt. An der Schule fanden in der Folge Wettbewerbe, Projekttage und Projekte, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen usw. zum Thema Europa statt. Das Betriebspraktikum in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe absolvierten Schülerinnen und Schüler verstärkt im Ausland, u.a. in Frankreich, England, Weißrussland, Schweden, Ungarn und der Türkei. Gefördert wurde auch das Auslandsjahr, das regelmäßig Schülerinnen und Schüler aus Rheinhausen u.a. in den USA, Neuseeland, Australien, Ägypten und Indien verbrachten. Gastschülerinnen und Gastschüler aus aller Welt, u.a. aus Italien, Australien, den USA und Thailand bereicherten das Schulleben.

 Lange Zeit behinderte die Situation der Sporthalle des Krupp-Gymnasiums immer wieder die Entwicklungsmöglichkeiten und den Stundenplan durch die zu kleine Sporthalle. Auf benachbarte Hallen musste ausgewichen werden. Im Jahr 2011 wird nach mehr als 20 Jahren Diskussion über den Bedarf in Rheinhausen die neue Sporthalle am Flutweg in Angriff genommen.

 Angeregt durch die Diskussion um die Auswirkungen der Schulzeitverkürzung und unter Einbeziehung der neuen Möglichkeiten der Schule durch den Bau einer Mensa entschloss sich die Schulkonferenz im Mai 2011 nach fast zweijähriger Diskussion das Stundenraster von 45-Minuten- auf 67,5-Minuten-Stunden umzustellen und die Mittagspause zu verkürzen. Von der Umstellung wurde eine Verringerung der Belastung im Sekundarbereich I erwartet.

Mit ihren Bemühungen um das Thema Nachhaltigkeit, u.a. zur Mülltrennung, zur gesunden Ernährung, zur Energieeffizienz, in der Partizipation an der Schule und in der Bürgerbeteiligung zur nachhaltigen Stadtentwicklung bewirbt sich das Krupp-Gymnasium Duisburg Europaschule auch um das Siegel „Schule der Zukunft“, das es vermutlich im Jahr 2012 erhalten wird.