Schulleiter Jöckel übergibt den Staffelstab

Nach über 40 Dienstjahren und zwölf Jahren als Schulleiter des Krupp-Gymnasiums geht Peter Jöckel zum Ende des Schuljahrs in den Ruhestand. Heute wurde er feierlich verabschiedet.

Nach einer musikalischen Einstimmung durch das Schulorchester, das unter der Leitung von Herrn Enninger das Steigerlied durch die Aula erschallen ließ, eröffnete die stellvertretende Schulleiterin Frau Herrmann die Feier und begrüßte alle Gäste. Sie widmete sich dem lateinischen Nomen finis, mit dem Herr Jöckel seine Einladung zu dieser Feier überschrieben hatte: Ob das Ende von Schule, Dienstzeit, das Ende als Lehrer und Leiter dieser Schule gemeint sei? „Vielleicht auch das Ende der unendlich vielen staureichen Autofahrten, des Organisierens und Telefonierens, der Besprechungen und Konferenzen, das Ende von Statistiken, Korrekturen, des Mailverkehrs zwischen den verschiedenen Instanzen …?

Und doch nicht das Ende von Berufung, von sinnstiftendem Wirken und Handeln? Das Leben geht ja schließlich weiter oder beginnt es nun erst? Auf jeden Fall wird vieles anders, neu sein.“ Es passe aber auch, „dass finis nicht nur in der Übersetzung Ende heißt, sondern auch im metaphorischen Sinne nach Tacitus Grenze und Schranke bedeutet und auch Ziel oder Gipfel, so Cicero.“ Herr Jöckel sei angekommen am Ziel einer langen erfolgreichen Berufstätigkeit und nun heiße es für ihn neue Schranken zu überwinden und neue Ziele anzusteuern.

Es folgte eine Rede der Dezernentin Frau Dr. Reinlein, die besonders auf den Werdegang von Herrn Jöckel einging mit Stationen in Gladbeck, Bottrop, Gelsenkirchen, Duisburg und schließlich Rheinhausen. Sie wies auf seine Vielseitigkeit hin, u.a. als Buchautor, als Ansprechpartner im Personalrat oder als Moderator bei Lehrerfortbildungen.

Für die Bezirksvertretung sprach Frau Gottschling ein persönliches Grußwort.

Der Unterstufenchor mit der Solistin Sam Pisters aus der Jahrgangsstufe 10 sorgte mit „Diamonds“ von Rihanna für einen weiteren musikalischen Höhepunkt und Gänsehautgefühl.

In einer kurzen, sehr freundlichen Ansprache erklärte Zehra Cilli, dass die Schülerinnen und Schüler Herrn Jöckel intern liebevoll P. J. (Pijay) nennen. Die Schülervertretung überreichte ihm ein selbst gestaltetes Buch, in dem sich jede Klasse mit einem Foto und einem Textbeitrag verabschiedet. Außerdem wurde ein lustiger Videoclip gezeigt, in dem sich ebenfalls alle Klassen kurz verabschieden.

Für die gute Zusammenarbeit bedankten sich der Schulpflegschaftsvorsitzende Herr Pecigos und die Vorsitzende des Fördervereins Frau Hofmann mit einem herzlichen „Glück auf!“.

Der Lehrerchor, der sich aus Anlass dieser Feier gebildet hat, sang unter der Leitung von Herrn Tenner die Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ als bekennenden Ausdruck zu Europa in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Latein. Der Chor begann mit der ersten Strophe als flashmop.

Als letzter Redner kam die Ehrenperson selbst zu Wort. Er betonte, dass Schulleitung von Kooperation lebt. „Ein gutes Verhältnis zwischen Schulleitung und Schülerschaft ist sehr wichtig.“ Er halte es für zwingend notwendig, dass die Schulleitung auch am Gymnasium in der täglichen Unterrichtspraxis präsent ist. Nur so könne im direkten täglichen Kontakt für die Schulleitung klar sein, was der Schülerschaft wichtig ist und was sie bewegt. Es sei auch immer wieder bereichernd und erfrischend mit heutigen Jugendlichen im engen Kontakt zu sein. Bei den Schülerinnen und Schülern, den Eltern, den Kollegen und Kolleginnen und Kooperationspartnern bedankte er sich herzlich. Er betonte, dass die gemeinsame Arbeit an Projekten, z.B. mit unseren Kooperationspartnern von der Kirchengemeinde Auf dem Wege, der Kita Brunnenstraße und dem Bodelschwingh-Haus nie einen finanziellen Vorteil brachte, aber viele Ideen, viele Gemeinsamkeiten und auch viele Erfolge. Kooperation sei Arbeit, nicht Almosen.

Für den Kooperationspartner Kindernothilfe bat er um finanzielle Unterstützung. Noch im vergangenen Jahr durfte er in Sambia ein Projekt persönlich besuchen und konnte sich von der Nützlichkeit der Spenden überzeugen.

Ein wenig frustriert ging er auf bürokratische Hindernisse ein, die sich einem Schulleiter immer wieder in den Weg stellen. Er würde sich sehr wünschen, dass die Menschen systematisch in den Bürokratien gefördert werden, die über ihre Möglichkeiten als Bürokraten hinwegsehen können und die Sache in den Blick nehmen. Die gäbe es nämlich trotz des Systems auch.

Sehr nette Worte fand er für seine (vorrangig) nicht-pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Besonders bedanke ich mich bei Herrn Gerisch, unserem Hausmeister, nein, ich muss sagen, seit mehr als drei Jahren aus bürokratischen Gründen immer noch unserem Vertretungshausmeister, der sich immer über die Vorschriften hinaus für die Schule eingesetzt hat. Ebenso bin ich sehr dankbar dafür an allen Tagen aus dem Nebenraum beobachten zu können, wie kompetent und gleichzeitig warmherzig sich die Sekretärinnen der Schule, Frau Weimann und Frau von Stiphout für die Schülerinnen und Schüler und die Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Dabei übernehmen sie, das sage ich ihnen eigentlich nichts Neues, auch wichtige pädagogische Aufgaben der Schule mit. So etwas steht in keiner bürokratischen Arbeitsbeschreibung heutigen Zuschnitts und besonders in keinem „Negativkatalog“, schade.“

Dann wandte er sich noch einmal emotional an die Schülerinnen und Schüler: „Empört Euch! Lasst Euch nicht abspeisen mit Bürokratie und hohen Legitimierungsversuchen! Es geht um Eure Zukunft: beim Klima, bei der Digitalisierung und vielen anderen Themen. Ich erlebe zu meinem großen Glück am Ende meiner Zeit als Lehrer, wie unter den jungen Menschen die Erkenntnis um sich greift, dass man die Zukunft in die eigene Hand nehmen muss. Über lange Jahre hätte ich mir viel mehr Engagement von Schülerinnen und Schülern gewünscht. Heute ist es da. Macht weiter, bringt Vorschläge ein, besteht auf dem Kern der Sache, lasst Ausreden nicht zu!“

Zum Schluss löste er noch das Rätsel um sein Mitbringsel. Dies Objekt sei ein Taiji-Griffel, ein Stab, mit dem man Konzentration üben und auch meditative Übungen machen könne. Diesen übergab er als Staffelstab an Frau Herrmann, die die Verantwortung von ihm übernehmen werde. Er wünschte ihr dazu viel Erfolg und alles Gute.

Mit „For the longest time“ von Billy Joel beendete der Oberstufenchors den offiziellen Teil der Feier. Freundlich und souverän betreuten Schülerinnen der Jahrgangsstufen Q1 und EP den anschließenden Empfang. Für das Buffet hatte jede Klasse eine kleine kulinarische Überraschung geliefert.

Die wunderschöne Dekoration in der Aula wurde von Schülerinnen und Schülern der Kunstkurse unter der Leitung der Kunstlehrerinnen Frau Laudert und Frau Pohler in den Europafarben Blau und Gelb gestaltet. Schwarz-Weiß-Fotos dokumentierten eine Auswahl vielfältiger Aktivitäten aus den vergangenen Jahren.

Das Kollegium wird sich in einer internen Feier in der nächsten Woche von seinem Schulleiter verabschieden.

Heike Kirstein

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