Zweitzeugen durch Zeitzeugin

Eva Weyl hat mit ihrer Familie den Massenmord an Juden durch die Nazis im niederländischen Konzentrationslager Westerbork überlebt und heute vor etwa 180 Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs 9 und der Einführungsphase davon erzählt.
„Ich möchte euch zu Zweitzeugen machen, damit sich etwas wie Auschwitz nie wiederholen kann!“. Mit diesem Appell begann die heute 83-jährige von der sechsjährigen Eva aus dem Jahre 1942 zu berichten.
Damals musste sie mit ihren Eltern, die mit ihr bereits in den 1930er Jahren vor den Nazis nach Holland geflohen waren, unversehens in das Sammellager Westerbork „umziehen“. Für eine Sechsjährige zunächst einmal recht spannend und zunächst erweckte auch vieles den Anschein von Normalität. Dafür sorgte Lagerkommandant Albert Gemmeke, dessen perfide Taktik es war, den Lagerinsassen den Anschein von Normalität zu vermitteln, um sie dann möglichst ohne Probleme in die Vernichtungslager im Osten des Reiches abtransportieren lassen zu können. So durfte die kleine Eva sogar eine Schule im Lager besuchen, die Eltern bekamen Arbeit in den Fabriken des Lagers und am Sonntag gab es gar freie Zeit für Geselligkeit. Als die ganze Familie ebenfalls deportiert werden sollte, rettet sie die Bombardierung des Lagers durch kanadische Flugzeuge.
Die Zuhörer verfolgten gebannt den Vortrag der Zeitzeugin und viele waren sehr erstaunt darüber, dass Frau Weyl vor einiger Zeit zufällig den Enkel des damaligen Lagerkommandanten kennengelernt und in der Folge den Kontakt zu dessen Familie gesucht hat. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die zeigt, dass Frau Weyl ihre Botschaft an die Schüler selbst lebt. Ihr ist es besonders wichtig, dass auch Schüler der heutigen Generation das Geschehene nicht vergessen und aktiv die Welt verbessern, damit Greueltaten wie der Holocaust nie wieder passieren. „Ihr habt keine Schuld am Vergangenen, aber ihr habt Verantwortung für die Zukunft“.
Am Ende ihres Vortrages nutzen viele Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen zu stellen und auch als die meisten schon den Saal verlassen haben, kommen einige auf die Bühne um sich bei Frau Weyl zu bedanken oder auch um von ihrer persönlichen Betroffenheit zu berichten. Geduldig beantwortet sie alle Fragen um dann weiterzuziehen. Morgen schon werden die nächsten Schüler einer anderen Schule zu Zweitzeugen gemacht.
Uwe Weskamp

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