Sind Wolken lebendig?

Ja, denn sie bewegen sich. Und die Sonne ist lebendig, weil sie für uns scheint. Ein Bleistift lebt, weil er schreiben kann. Selbst die Grund-
schullehrerinnen waren erstaunt über die Antworten ihrer Kinder.
„Kinder denken anders“, hat der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget bereits im letzten Jahrhundert festgestellt und eine so wichtige Theorie zur Denkentwicklung aufgestellt, dass diese immer noch im Pädagogikunterricht besprochen wird.
Die kindlichen Denkweisen sind aber vielen Oberstufenschülerinnen und -schülern total fremd.

Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, dass Kinder so anders denken als sie selbst. Gerade deshalb ist es wichtig, dass sie direkten Kontakt mit jüngeren Kindern haben und sie beim Problemlösen beobachten können.
Aus diesem Grund haben die beiden Pädagogikleistungskurse der Jahrgangsstufe Q1 am Donnerstag, den 25.01.2018, in Zwei- bis Vierer-Gruppen verschiedene Grundschulen in Rheinhausen besucht und dort einen „Praxistag“ erlebt.
Zunächst haben sie Erstklässler in der normalen Unterrichtssituation beobachtet und anschließend mit einzelnen Kindern, die sich freiwillig beteiligten, kleinere Versuche von Piaget durchgeführt. Diese sind vorher im Pädagogikunterricht gründlich erarbeitet worden. Es handelt sich z. B. um Umfüllversuche (Wasser in verschieden breite Gefäße schütten und beurteilen, in welchem Gefäß mehr Wasser ist), Zuordnungsaufgaben (einer Reihe von gelben Plättchen dieselbe Anzahl von roten Plättchen zuordnen; einen vorgegebenen Turm nachbauen, wobei der nachgebaute Turm auf einem Stuhl steht), Versuche zur Distanzerhaltung (Verändert eine Mauer den Abstand zwischen zwei Gegenständen?) und ähnliche harmlose Aufgaben, die den Kindern meistens Spaß machten und den jungen Pädagogen und Pädagoginnen zeigten, wie die Kinder denken. Eine hoch interessante Phase während des Grundschulbesuchs war die Gesprächsrunde darüber, was warum lebendig ist. Bei vielen Antworten der Erstklässler kamen die Großen aus dem Staunen nicht mehr heraus (s.o.): Ein Stuhl ist lebendig, weil er Beine hat, ein Auto, weil es fahren kann, der Mond, weil er uns nachts Licht macht oder eine Kerze, weil sie brennt.
Schließlich haben die Oberstufenschülerinnen und -schüler die Kinder den Rest des Schultags begleitet, um weiter zu beobachten, wie Kinder denken und sich verhalten.
Von den Grundschullehrerinnen gab es viel positive Rückmeldung, dass die Schülerinnen und Schüler sehr gut auf diesen „Praxistag“ vorbereitet waren. Und den Jugendlichen fällt es nun etwas leichter, dem Entwicklungspsychologen Piaget zu glauben, wenn er von den „seltsamen“ Denkweisen der Kinder berichtet.
Heike Kirstein

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