Sprachwandel kreativ begegnen

Die Schülerinnen und Schüler des Deutschkurses 3 der EP begegneten dem Thema Sprachwandel zum Schuljahresende dieses Jahres auf eine besondere Weise. Im Rahmen eines kursinternen Poetry Slams schrieben sie eigene Texte und trugen diese vor ihren Mitlernenden vor. Dabei zeigten viele besonderes Interesse an dem Spannungsverhältnis des Sprachwandels im Kontext von Restriktion und freier Entfaltung der Sprache. Zwei besonders unterschiedliche Texte drücken dieses Spannungsverhältnis auf ihre eigene Weise aus.

Sie können als ein Impuls zur Reflexion über die eigene Sensibilität zur Verwendung von Sprache verstanden werden, indem sie mit Ironie oder Zynismus genau die Stellen von Sprache beleuchten, die als unliebsam oder fragwürdig erscheinen. Damit eröffnen sie einen Diskurs zum Thema „diskriminierungsfreier Sprachgebrauch“, das durchaus aktuell und wichtig erscheint: Inwieweit darf, muss oder kann Sprache restringiert werden?

Sebastian Karpinski

Adrian Guido: Gedicht über Political Correctness und Gendering:

Die Geschichte einer Spezies, durchzogen von Grausamkeit

Neben Sucht, neben Eifer fehlt es uns kaum an Neid

Das Andere trägt immer Schuld

Weil Nase, weil Geld, weil anderer Kult

Apartheit, Scheiterung, Zensur im Internet

Schickt doch gleich ,,die Bösen“ ins… Lager zur Steigerung der Gedächtnisfähigkeit!

Je mehr wir uns fokussieren, uns davon zu distanzieren, desto eher wird es uns wieder passieren.

,,Das darfst du nicht sagen, das sollst du nicht fragen, sonst müssen wir dich… wie Wild scheuchen.“

Keine Slogans mehr wie ,,Baracken für… Menschen südländischer Herkunft“.

Keine Worte zu… Älteren, die Kinder begatten

Keine Urteile über… körperlich freizügige Personen mit Menstruationshintergrund

(… unvollendet)

Aleyna Cavlak: Gut gemeint und doch sehr oft missbraucht oder auch: Warum alle Politische Korrektheit: hassen:

Heute wollen wir über ein Thema sprechen, bei dem mindestens eine Person in diesem Raum bereits stöhnend die Augen verdreht, weil sie diese ständige Diskussion nicht mehr erträgt. Konkret gesagt: Politische Korrektheit oder für die, die dem bösen Sprachwandel bereits verfallen sind, „Political Correctness“. Laut der vertrauenswürdigsten Quelle der Welt (Wikipedia) ist Politische Korrektheit „ein aus dem englischen Sprachgebrauch stammendes politisches Schlagwort, das insbesondere in der Theorie der öffentlichen Meinung eine Rolle spielt“ bla bla bla. Sparen wir uns das mal und kommen zu dem, was Politische Korrektheit ausmacht: Die öffentliche Meinung. Oben genannte Person wird an dieser Stelle wahrscheinlich zum zweiten Mal die Augen verdrehen. Politische Korrektheit ist ja so anstrengend, da ist es natürlich verständlich, wenn mancher schlichtweg überfordert ist. Es ist ein schrecklich langes Wort mit vielen Silben und verbindet zwei Dinge, bei denen so einige den Anschein machen, keine Ahnung davon zu haben: Politik und korrektes Verhalten. Vielleicht drücken wir es einfach mal anders aus: Respekt. Ja, ja schon klar, „Worte spiegeln nicht die eigene Gefühlswelt eines Menschen wieder und können somit auch niemanden verletzten.“ Die Sache ist doch eigentlich ganz einfach. Sprache ist das größte Mittel der Kommunikation, das die Menschheit zur Verfügung hat. Sprache also dafür einzusetzen, einfach zivil miteinander umzugehen, sollte also nicht das große Problem der Political Correctness sein. Das eigentliche Problem sind wohl eher die Diskussionen, ob man jetzt statt „Penner“ „Wohnungssuchender“ und statt „schwarz“ „maximalpigmentiert“ sagt. Die Frage Wer was zu welchem Zeitpunkt wo und warum sagen oder eben nicht sagen darf, ist der Grund für unsere genervt die Augen verdrehende Person, sobald jemand das Thema „Politische Korrektheit“ in den Mund nimmt. Man muss es ja auch nicht mit dem Respekt übertreiben. Denn wenn in klassischer Literatur das „Negerlein“ zum „Kind mit schwarzer Hautfarbe“ wird, dann springen wieder alle auf und sagen: „Das schränkt uns doch ein in unserer sprachlichen und kreativen Freiheit! Es gibt keine Zensur! Da schweige ich doch lieber, als meine Meinung zu äußern!“ An der Stelle kann ich auch nur noch sagen, dann halt doch einfach dein …, für alle Ewigkeit wird eine Person sich sowieso diskriminiert fühlen und eine wird genervt die Augen verdrehen, da kann man es auch gleich lassen. Ob jetzt Eltern oder erziehungsberechtigte Person, Lehrer oder Lehrer und Lehrerinnen, Schüler oder SuS, Er, Sie, Es, Non-Binary oder die anderen 60 Geschlechtsoptionen, die man heute bei Facebook auswählen kann, ob Ausländer oder Mensch mit Migrationshintergrund, Zigeuner oder Sinti, ja sogar ob Pipi Langstrumpf jetzt Negerprinzessin oder Südseeprinzessin ist, am Ende sollte jedem Menschen klar sein, dass es nicht nur um das Wort an sich geht, sondern um den bei einigen mehr, bei einigen weniger vorhandenen grundsätzlichen Respekt anderen gegenüber. Ob nun pro PC oder nicht – jeder will akzeptiert werden. Ich will mich jetzt auch nicht hier hinstellen und Peace, Love „Hey, lasst uns alle von nun an in Frieden und Akzeptanz leben“ predigen, das ist letztendlich nicht der Sinn dieses Textes. Ich will eigentlich einfach nur sagen: Liebe oben genannte Person, denk doch das nächste Mal kurz darüber nach, bevor du die Augen verdrehst.

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